Dorothea Christiane Erxleben: Google Doodle

Dorothea Christiane Erxleben: Erste deutsche Ärztin

Es ist der 13. November 1715: In Quedlinburg erblickt Dorothea Christiane Erxleben (geborene Leporin) das Licht der Welt. Sie gilt als die erste promovierte deutsche Ärztin und Pionierin des Frauenstudiums.

Dorothea Christiane Erxleben: Google Doodle
Dorothea Christiane Erxleben: Google Doodle
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Dorothea Christiane Erxleben  ist eine Frau mit klaren Zielen. Schon als kleines Mädchen weiß sie genau, was sie einmal werden will: Ärztin, wie ihr Vater. Klug ist sie und wie man mit Patienten umgeht weiß sie auch. Oft genug hat sie ihren Vater zu Krankenbesuchen begleitet und ist ihm in der Praxis zur Hand gegangen. Alle nötigen medizinischen Kenntnisse hat sie von ihm gelernt. Latein kann sie auch. Jetzt fehlt nur noch der akademische Grad, den sie braucht, um eine eigene Praxis zu eröffnen.

Frauen durften nicht studieren

Dorothea Christiane Erxleben will sich, zusammen mit ihren Brüdern, an der Uni einschreiben. Doch das ist ein Problem. Im Jahr 1740 bleibt ihr der Zugang zur Universität verwehrt, weil sie eine Frau ist. Da nützt ihr die gesamte fundierte Vorbildung nichts.

Dass Frauen von der höheren Bildung ausgeschlossen wurden, war nicht immer so. Von der Antiken bis zum frühen Mittelalter durften Frauen an Akademien studieren und lehren. Ägypten, Griechenland und das römische Reich konnten weibliche Gelehrte aller möglichen Fakultäten nachweisen. Ärztinnen, Architektinnen, Philosophinnen.

Erst als die Kirche im Mittelalter die Trägerschaft der Bildungseinrichtungen übernahm, wurde es für Mädchen immer schwerer eine eigene Ausbildung zu bekommen. Oft war die Aufnahme an hohe Auflagen gebunden, etwa, dass die Eltern die Mitgift der Studienbewerberin einem Kloster übereignen mussten.

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Akademien für sozial schwache und Frauen geplant

Erst im Zeitalter der Aufklärung wurde diskutiert, dass auch Mädchen Zugang zur allgemeinen Schulbildung haben sollten. Dorothea Christiane Erxleben hat Glück. Ihr Vater ist ein Mann mit Weitblick und Tatkraft. Er setzt sich schon 1724 dafür ein, dass in jeder Stadt Akademien aufgebaut werden sollen, wo auch Kinder mittelloser Eltern kostenlosen Unterricht erhalten können. Und nicht nur Jungen.

Da die Realisierung derselben, wie sich leicht denken lässt, in den Sternen stand, so ging Christian Polycarp Leporin sen. Daran, sein Töchterlein selbst auszubilden. Und zwar in dem Fach, in dem er sich am besten auskannte: der Heilkunde. Er nahm die Kleine nicht nur mit auf seine Krankenbesuche, sondern lies sie später sogar von ihr in seiner ärztlichen Praxis vertreten.

Die junge Frau wurde von den Patienten geschätzt, aber von den männlichen Kollegen ihrer Heimatstadt Quedlinburg als Dilettantin und Pfuscherin verschrien.

Doch die Universitäten bleiben weiterhin Wagenburgen der Männer. Dorothea Christiane Erxleben  ist erbost. Ein jeder will gern ein verständiges Weib haben, aber die Mittel des Verstandes will man ihnen nicht zulassen. Sie verfasst eine Schrift mit dem Titel „Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studieren abhalten“.

Die Kaplanei 10 in Quedlinburg, Arbeits- und Wohnort von Dorothea Christiane Erxleben.
Die Kaplanei 10 in Quedlinburg, Arbeits- und Wohnort von Dorothea Christiane Erxleben.
Foto: Olaf Meister Lizenz: CC BY SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de
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Kinder, Küche, Universität

1740, mit 24 Jahren, reicht sie bei König Friedrich dem Zweiten ein Gesuch ein, zusammen mit ihren Brüdern studieren zu dürfen. Und tatsächlich, der König stimmt zu, aber ausgerechnet mit der Freistellung der Brüder vom Militärdienst gibt es Probleme. Und alleine getraut sich die junge Frau nicht an die Uni.

Dorothea Christiane Erxleben, sie hat inzwischen geheiratet, hat alle Hände voll zu tun, die fünf Kinder zu versorgen, die ihr Mann mit in die Ehe gebracht hat. Vier eigene kommen noch dazu. Nebenbei kümmert sie sich um mittellose Kranke, was ihr die Beschwerde ansässiger Ärzte einbringt, sie sei eine Dilettantin und dürfe ohne Doktortitel nicht praktizieren.

Nachdem sie sogar ein offizielles Schreiben erhält, dass sie die Behandlung von Kranken zu unterlassen habe, rafft sie sich auf. Neben ihren Pflichten als Mutter und Ehefrau setzt sie sich an den Schreibtisch. Sie ist 38 Jahre alt, als sie ihre Doktorarbeit einreicht. „Akademische Abhandlungen von der gar zu geschwinden und angenehmen, aber deswegen öfters unsicheren Heilung der Krankheiten“ lautet der Titel.

Dorothea Christiane Erxleben promovierte

Am 6. Mai 1754 legt sie in Halle das Promotionsexamen ab. Mit großem Erfolg. Dorothea Christiane Erxleben ist Frau Doktor, endlich. Endlich darf sie das tun, was sie von Kindheit an als Berufung empfunden hat. Damit ist sie auch die Erste promovierte Frau in deutschen Staaten.

Erst 150 Jahre später erhalten Frauen in Deutschland offiziell die Erlaubnis zu studieren. In Preußen zuletzt, im Jahre 1908.

Dorothea Christiane Erxleben verstarb am 13. Juni 1762.

Übrigens… Ingo hat aus dem Google Doodle wieder ein kurzes Video erstellt.

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Die Ärztin aus Quedlinburg. Das Leben der Dorothea Christiane von Erxleben

Die Autorin Emmy Kraetke Rumpf hat ein 176 Seiten umfassendes Taschenbuch über das Leben der Dorothea Christiane Erxleben verfasst. Sie können das Buch „Die Ärztin aus Quedlinburg. Das Leben der Dorothea Christiane von Erxleben“ [Werbung] online bestellen.

Informationsquellen:

  • August Hirsch: Erxleben, Dorothea. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877
  • Emmy Kraetke-Rumpf: Die Ärztin aus Quedlinburg. Das Leben der Dorothea Christiane von Erxleben. 2003, ISBN 3-86122-006-7.